Täufer – Nicht Menschenlehre, sondern Gottes Wort!

Die Täufer bildeten im 16. Jahrhundert, im Gefolge der Reformation, eine sehr vielfältige und äußerst bunte Bewegung, die sich auf viele Territorien und Regionen Europas verteilte. Heutige Nachfahren der Täufer sind die Mennoniten, Amische und Hutterer.

Zum namensgebenden Merkmal der Täufer wurde die Glaubens- oder Erwachsenentaufe: „Gottes Erkenntnis kommt aus gehörtem Wort des Evangeliums. Darum lehren wir, daß man die, so das Wort gehöret, demselben geglaubt und Gott erkannt haben, taufen solle und nicht die Kinder.“ So der Hutterer Peter Riedemann 1545. Weitere wichtige Glaubenspunkte waren die Verweigerung des Eides, die Wehr- und Waffenlosigkeit und die Absonderung, die einher ging mit einer gezielten Abkehr von Politik und politischem Handeln. Die Hutterer praktizierten zudem in ihren Gemeinden Gütergemeinschaft. Da die Obrigkeiten die Täufer als Gefahr für die politisch-soziale Ordnung wahrnahmen, setzte die Verfolgung der Gläubigen sehr schnell ein; obrigkeitliche Verordnungen, sogenannte Mandate, forderten die Todesstrafe und Vertreibung.

Auch in Oberösterreich gab es im frühen 16. Jahrhundert täuferische Gemeinden. So umfasste die Gemeinde in Freistadt in den Jahren 1527 bis 1528 vermutlich über 15 Personen, die sich an geheimen Orten treffen mussten. Eine wesentliche Prägung dürfte die Gemeinde durch den täuferischen Missionar und Prediger Hans Hut erhalten haben, der im Sommer 1527 in der Stadt war und predigte, lehrte und ca. 12 Personen taufte. Von Freistadt aus reiste Hans Hut weiter nach Augsburg, wo er gefangen genommen wurde und im Dezember 1527 bei einem Fluchtversuch aus dem Gefängnis starb. Für das Mühlviertel hatte Hut einen gewissen „Jacob, ein Meissner“ als Prediger eingesetzt, der in der Gegend von Freistadt das Apostelamt ausübte. Die Anwesenheit von Hans Hut und Jacob, dem Meissner, in Freistadt zeigt die hohe Mobilität, die innerhalb der täuferischen Bewegung – oft zwangsweise – herrschte.

Gerade in der frühen Phase der täuferischen Bewegungen ist es aufgrund der wenig gefestigten Strukturen manchmal nicht ganz einfach, täuferische Glaubensüberzeugungen und Bekenntnisse von reformatorischen zu trennen. Auch in Oberösterreich und Freistadt lässt sich dieses Phänomen nachweisen. So fand der ehemalige Priester Hans Schlaffer 1526/27 Unterkunft bei den Herren von Zelking auf Schloss Weinberg in Kefermarkt, nachdem er sich für die reformatorischen Ideen geöffnet hatte. Die Herren von Zelking ihrerseits förderten die Reformation in Mühlviertel. In der Zeit auf Schloss Weinberg oder kurz danach muss Schlaffer Täufer geworden sein, vermutlich über Kontakte nach Nikolsburg, wo sich viele Täufer angesiedelt hatten. 1528 wurde er für seinen täuferischen Glauben in Schwaz (Tirol) hingerichtet. Von Hans Schlaffer sind einige Quellen erhalten, unter anderem Briefe und Bekenntnisse.

Das frühe „Gemenge“ von und den Wechsel zwischen verschiedenen Glaubensüberzeugungen zeigt auch die Geschichte der Brüder Christoph und Leonhard Freisleben (Eleutherobius), die zunächst evangelisch und als Schulmeister in Wels beziehungsweise in Linz tätig waren. Sie schlossen sich schließlich den Täufern an – Christoph war Leiter der Gemeinde in Wels und Leonhard ging anschließend nach Regensburg.

Einen Einblick in die täuferischen Glaubensüberzeugungen bietet ein Prozess, der im Oktober 1527 in Freistadt stattfand. Jörg Schoferl, Paul Goldschmidt, Hans Eckhart, Hans Tischler, Wolfgang Tuchscher und Hans Panreyter mussten sich vor dem Rat der Stadt wegen ihres täuferischen Glaubens verantworten. Alle wiesen den Vorwurf zurück, einer menschlichen Lehre, etwa eines Hans Hut, Ulrich Zwingli oder Martin Luther, anzuhängen, sondern sie betonten, allein Gottes Wort zu folgen. So stellte Jörg Schoferl in seinem Verhör fest, nur jener Lehre, die er aus dem Wort Gottes herauslesen könnte, Glauben zu schenken. Das Zeichen der Täufer sei nicht die „widtauff“ (= „Wiedertaufe“), also zwei Taufhandlungen; die Bibel spreche nur von einer einzigen Taufe. Doch auch die Taufe sei nicht entscheidend für den Glauben. Wenn er, so Schoferl, die Bibel in diesem Punkt falsch verstanden habe, so lasse er sich gerne korrigieren: „Denn die „Säligkeit stet nit in dem Tauff, sondern in einem waren Christentlichen glauben“. Paul Goldschmidt gibt als weitere Elemente seines täuferischen Glaubens an: ein „gottseliges, christliches Leben“ führen, der Obrigkeit gehorsam sein und dem Nächsten helfen.

Bis auf Jörg Schoferl widerriefen alle angeklagten Täufer ihren Glauben. Schoferl, in der Quelle als „Bürger von Freistadt“ bezeichnet, hatte dagegen darum gebeten, die Modalitäten des Widerrufs zu ändern. Ob seiner Bitte stattgegeben wurde, lässt sich aus den Quellen nicht ersehen. Der Widerruf sollte in Freistadt laut Anordnung Erzherzog Ferdinands I. nach dem „Horb und Rotenburger“ Ritual durchgeführt werden. Dieses sah vor, dass der Widerrufende mit aufgehobenen Fingern einen Eid auf das Evangelium schwor. Zudem sollte er sich an sieben Sonntagen barfuß, mit „entdeckhten Häuptern und Fliegenden Har“ und in grauer Wollkleidung, auf der das Zeichen eines weißen Taufsteins sichtbar war, am Frühmessaltar einfinden. Mit einer brennenden Wachskerze in der rechten Hand und einer Rute am linken Arm sollte er in einer Prozession um das Kreuz und die Stiftskirche gehen und schließlich vom Priester mit „dreyen straichen“ die Absolution empfangen. Die besondere Kleidung mussten die Widerrufenden ein Jahr lang tragen, an bestimmten Tagen das Sakrament empfangen und es war ihnen verboten, Waffen zu tragen, außer einem „abgebrochenen Brotmesser“.

„Und er sagte zu ihnen: ‚Geht in die ganze Welt und verkündet allen Menschen die gute Botschaft. Wer glaubt und getauft wird, wird gerettet werden. Wer aber nicht glaubt, wird verurteilt werden."

Die Bibel Markus 16, 15.16



Täufer – Täuferische Märtyrer

Die harte Verfolgung der Täufer sorgte für viele Hinrichtungen. Das Mandat Ferdinands I. von 1527 bestimmte, dass alle „widertauffer und widergetaufft mannen und weibspersonen, verstendigs alters, von natürlichem leben zum tod mit dem feur, swert oder dergleichen“ gebracht werden sollten.

Für Herbst 1527 und für Mai 1528 ist die Festnahme von Täufern in Freistadt belegt. Nachdem die täuferische Versammlung überfallen und gesprengt worden war, kamen die gefangenen Täufer vor den Rat der Stadt, wo sie sich für ihren Glauben verantworten mussten. Das hutterische „Geschichtbuch“ überliefert, dass in Freistadt 10 Täufer wegen ihres Glaubens hingerichtet wurden, unter ihnen Hans Weinberger aus Freistadt, Madlen Frelich von Ens und Madlen von Steyr. Für Oberösterreich berichtet die hutterische Chronik von insgesamt 146 Märtyrern.

Für viele Täufer aus den habsburgischen Ländern wurde Mähren zum „Hafen der Toleranz“, da nicht-katholische, utraquistisch geprägte Grundherren die Verfolgten einluden, auf ihren Gütern zu siedeln. Die neuen Siedler trugen aufgrund ihrer handwerklichen Fertigkeiten zu einem wirtschaftlichen Aufschwung der mährischen Grundherrschaften bei. Die heute noch in Nordamerika lebenden Hutterer waren die größte und dauerhafteste Gruppe der mährischen Täufer; sie etablierten „Haushaben“, in denen wohl bis zu 500 Bewohner in Gütergemeinschaft lebten und arbeiteten. Mit dem Beginn des 30jährigen Krieges mussten die Täufer Mähren schließlich verlassen.

"Jetzt aber kehrt um und wendet euch Gott zu, damit er euch die Sünden vergibt. Dann wird auch die Zeit kommen, in der ihr die Freundlichkeit Gottes erleben werdet. Er wird euch Jesus senden, den Retter, den er für euch bestimmt hat."

Die Bibel Apostelgeschichte3,19.20