Johannes ‚Jan‘ Hus – auf dem Weg zur Reformation

Johannes ‚Jan‘ Hus steht ebenso wie John Wycliff für den geistlichen Aufbruch, aber auch für die geistlich ambivalente Zeit des späten Mittelalters. Die katholische Kirche befand sich in einer Krise, die auch als „Selbstentzauberung“ bezeichnet wird – unter anderem deshalb, weil Gnade käuflich war und sich eine berechnende Form der heilsversichernden Frömmigkeit durchsetzte. Der Ablass, gegen den Martin Luther 1517 seine 95 Thesen veröffentlichte, wurde zu einem wichtigen Instrument der alten Kirche, Heilsversicherung zu steuern und gleichzeitig die finanziellen Einnahmen zu steigern. Doch auch das kirchliche System an sich offenbarte zahlreiche Missstände: moralische Verfehlungen von Priestern und eine Vernachlässigung ihrer geistlichen Pflichten, Pfründeanhäufung sowie Missstände in der Kurie. Das Evangelium und die Botschaft Jesu Christi schienen nur noch schwer vermittelbar und so intensivierte sich der Reformdruck.

Jan Hus, 1371 geboren und nach einem Studium an der Prager Universität 1400 zum Priester geweiht, setzte sich unter dem Einfluss der Ideen John Wycliffs vor allem für eine Vermittlung des Glaubens in der Landessprache und für eine hierarchielose Kirche ein, in der Jesus Christus an der Spitze stehen sollte. Die Bibel und die Kirchenväter stellten für ihn die alleinige Autorität in Glaubensfragen dar; den Primat des Papstes erkannte er nicht an, da auch dieser ein Mensch sei.

Seine Lehren und sein Einsatz gegen eine Verbrennung der Schriften Wiclyffs brachten Hus in Konfrontation zu den geistlichen und säkularen Autoritäten in Böhmen. Der Prager Prediger musste sich einem Kurialprozess stellen und wurde exkommuniziert; Papst Alexander V. belegte Hus 1411 mit dem Kirchenbann. Hus floh aus Prag, wo es zu Unruhen kam, und fand Unterschlupf auf der Burg Kozi in Südböhmen; dort verfasste er seine wichtigsten Schriften in tschechischer Sprache. Unter Zusicherung freien Geleits durch König Sigmund erschien Hus 1414 auf dem Konzil von Konstanz, um seine Lehren zu verteidigen. Trotz des freien Geleits wurde Hus jedoch in Konstanz gefangen genommen und als Häretiker auf dem Scheiterhaufen verbrannt.

Jan Hus hatte bereits zu Lebzeiten viele Anhänger gewonnen, die nach seiner Hinrichtung aktiv blieben. Unter dem Namen „Hussiten“, der eigentlich zunächst eine negative Fremdbezeichnung war, setzten sie sich vor allem für die Predigtfreiheit, den Laienkelch und die Armut der Geistlichen ein. Der Laienkelch wurde zum Symbol der Bewegung. Sowohl von Seiten des böhmischen Königs als auch von päpstlicher Seite blieb der Druck auf die Hussiten, die sich in die Taboriten und die Utraquisten unterteilten, bestehen und er gipfelte 1419 in einem Kreuzzug, in dem die Hussiten Prag gegen König Sigmund verteidigen konnten. Nach der endgültigen Niederlage des böhmischen Königs 1421, Verhandlungen und weiteren gewaltsamen Auseinandersetzungen wurden 1436 der Laienkelch und die utraquistische Richtung der Hussiten in Böhmen anerkannt.

Der Ruf nach Reformen in der Kirche blieb im 15. Jahrhundert wach. Kritiker wie Nikolaus Cusanus, Bischof von Brixen, forderten eine „Reinigung der Kirche“, eine Rückkehr zu ihren ursprünglichen Wurzeln. Der richtige Durchbruch zur Reform verbindet sich mit dem Namen Martin Luthers. 1517 veröffentlichte er seine 95 Thesen gegen den Ablass, die die alte Kirche eigentlich reformieren und nicht spalten sollten. Doch der Fortgang der reformatorischen Bewegung, in dem sich geistliche Anliegen schnell mit politischen Interessen verbanden, führte letztendlich zur Entstehung von zwei neuen Kirchen, der Lutherischen und der Reformierten. Die Leitlinien der Reformation – allein die Gnade, allein die Bibel, allein der Glaube – gaben die Richtung für die neuen Kirchen vor. Auch in Österreich fanden die reformatorischen Ideen zahlreiche Anhänger; in den Donauländern und in Innerösterreich waren ungefähr 90% der Adeligen lutherisch.

„Christus ist das Haupt der Gemeinde, und die Gemeinde ist sein Leib.

…. Durch ihn hat er alles mit sich selbst versöhnt. Durch sein Blut am Kreuz schloss er Frieden mit allem, was im Himmel und auf der Erde ist.“

Die Bibel Kolosserbrief 1, 18.20